Was hat es mit dem ominösen TTR-Wert auf sich?

Jahrzehntelang hatte man im Tischtennissport ein nicht unerhebliches Problem. Wie sollte man die Spielstärke von Spielern, die in unterschiedlichen Altersstufen, Ligen oder Verbänden aktiv waren, objektiv einordnen können, um z.B. im Vorfeld eines Wettkampfes eine faire Setzliste oder gerechte Mannschaftsaufstellungen zu gewährleisten?

Insbesondere bei Vereins- oder Verbandswechseln war dies so gut wie unmöglich.

Schlaue Köpfe entwickelten vor einigen Jahren eine Bewertungsmethode – das Tischtennis-Ranking (TTR), die zu einer Rangliste führte, in der alle in Deutschland aktiven Spieler (über 300.00) nach einheitlichen Kriterien unter Berücksichtigung der Wettkampfergebnisse in der Vergangenheit eingestuft sind.

Entscheidend für die Ranglistenposition eines Spielers ist der so genannte TTR-Wert. Je höher der Wert, desto höher die Position in der Rangliste. Angeführt wird die Rangliste derzeit von Dimitri Ovtcharov, gefolgt von Timo Boll.

Spielen nun 2 Spieler mit gleichem TTR-Wert gegeneinander, erhält der Sieger altersabhängig bis zu 10 Punkte auf seinem TTR-Konto gutgeschrieben, der Verlierer bekommt entsprechend Punkte abgezogen. Sind allerdings die TTR-Werte der Wettkampfkonkurrenten unterschiedlich, kann der höher eingestufte Spieler abhängig von der TTR-Differenz bei einem Sieg nur weniger Punkte hinzugewinnen, bei einer Niederlage würde er aber entsprechend mehr Punkte verlieren. Timo Boll hätte also wenig davon, wenn er 100 Mal gegen unseren Benjamin Ries spielen und gewinnen würde. Er würde in diesem Fall wohl keinen einzigen Punkt hinzugewinnen.

Anfangs wurde das System etwas skeptisch beäugt, da es auch seine Schwächen hat. Zum Beispiel kann es gerade im Nachwuchsbereich sein, dass sich Kinder durch diese mehr oder weniger objektive Vergleichbarkeit einem größeren Erfolgsdruck ausgesetzt sehen. Dennoch hat sich das System durchgesetzt, und daher wird es mittlerweile bei allen wichtigen Wettbewerben eingesetzt.

Für die Trainer hat dieses System einen ganz entscheidenden Vorteil, ermöglicht es doch eine hervorragende Beurteilung der mittel- und langfristigen Leistungsentwicklung. Auch wenn es natürlich immer „Ausrutscher“ nach oben oder unten aufgrund kurzfristiger Formschwankungen gibt, auf lange Sicht sind die gesammelten Daten durchaus sehr aussagekräftig.